Phase 1: Die Ursprünge und die Heimat (um 1600)
Die Wiege des Namens: Der Name hat tiefe Wurzeln im thüringisch-westsächsischen Grenzraum (Achse Gera – Zwickau). In dieser Region ist die Namensform Jerisch / Jährisch (eine Dialekt-Kurzform von Gerhard oder Georg) historisch belegt.
Die Mundart-Verbindung: In Gera existiert der Begriff „gut Gersch“ seit Jahrhunderten als Bezeichnung für den lokalen Dialekt. Ein Auswanderer aus dieser Region trug den Klang seiner Heimat Mundart bereits in sich.
Der Stammvater: Um das Jahr 1605 wird Mattheus Jerisch (später Giersch/Gersch) in dieser thüringisch-sächsischen Region geboren. Seine spätere Ehefrau Justina wird um 1611 geboren.
Phase 2: Krieg und Flucht ins Erzgebirge (ca. 1630–1645)
Der historische Hintergrund: Im Dreißigjährigen Krieg (1618–1648) werden die Regionen um Gera und Zwickau durch Truppen und die Pest schwer verwüstet. [1]
Die Migration: Als junge Erwachsene fliehen Mattheus und Justina aus der Heimat. Sie suchen Schutz im oberen Erzgebirge und siedeln sich in der Grenz- und Bergstadt Neugeising (N.G.) an.
Der Neuanfang: Mattheus etabliert sich im Ort, erwirbt Grundbesitz und erhält das offizielle Bürgerrecht der Stadt Neugeising.
Phase 3: Die Familiengründung in Neugeising (ab 1648)
Pünktlich zum Ende des Dreißigjährigen Krieges baut sich das Ehepaar eine Existenz auf und zieht seine Kinder im Osterzgebirge groß:
1648: Geburt des Sohnes George (errechnet aus seinem Sterbealter). Er wird nicht in Geising getauft, was beweist, dass die Familie in diesen Jahren von außerhalb zuzieht oder in einer Nachbarentität lebt.
ca. 1657: Geburt des Sohnes Andreas. Spätestens zu diesem Zeitpunkt ist die Familie dauerhaft in Neugeising ansässig.
13. Juni 1675: Ein erster schwerer Schicksalsschlag trifft die Familie. Der Sohn Andreas Jerisch stirbt im Alter von nur 18 Jahren (Eintrag: Andreas Jerisch fil. Mattes 18J).
Phase 4: Die nächste Generation und das Verschmelzen des Namens (1676–1709)
In dieser Epoche dokumentieren die Kirchenbücher von Geising den fließenden Übergang des Namens von Jerisch zum heutigen Gersch – getrieben durch die lokale Mundart:
28. Mai 1676 (Hochzeit der Tochter): Die Tochter Maria Jerisch heiratet Hans Hauswald, einen Müllerssohn aus dem nahen Johnsbach (Jensbacher Kirchspiel). Die Familie ist nun fest in der Region vernetzt.
24. November 1678 (Hochzeit des Sohnes): Der Sohn George heiratet Dorothea Krügener, die Tochter eines Bergmanns aus Altgeising. Er arbeitet selbst als voll ausgebildeter Berggeselle im Zinn- oder Silberbergbau. Im Eintrag wird er bereits George JERSCH genannt, während sein Vater noch als Matthes JERISCHens geführt wird.
11. Mai 1690 (Tod der Mutter): Die Stammmutter Justina Gersch stirbt im gesegneten Alter von 79 Jahren und 3 Wochen.
5. August 1690 (Tod des Stammvaters): Nur drei Monate später stirbt der Stammvater Mattheus Giersch im Alter von 85 Jahren als etablierter, „alter Bürger“ in Neugeising.
18. Juni 1709 (Tod des Sohnes): Der Bergmann George stirbt im Alter von 61 Jahren. Der Pfarrer schreibt ihn im Dialekt nun endgültig als George GÖRSCH.
Das Fazit der Familiengeschichte
Meine Ahnen waren keine einfachen Tagelöhner, sondern Bürger und Bergleute, die die zerstörerische Epoche des Dreißigjährigen Krieges überstanden haben. Ihr Familienname ist das lebendige Produkt einer jahrhundertealten Sprachentwicklung: Mitgebracht als Jerisch aus dem Raum Gera/Westsachsen, wurde der Name im harten Alltag des Osterzgebirges über die Stationen Jersch, Giersch und Görsch evolutionär zu dem geschliffen, was er heute ist: Gersch.
Hier sind konkrete Ansätze und Hinweise, wie das Rätsel um die Herkunft von Mattheus Jerisch/Gersch (geboren ca. 1605) und seiner Frau Justina lösen könnten. Da die Kirchenbücher im Osterzgebirge bereits erfolglos durchforstet haben, müssen wir uns auf weltliche Quellen in Sachsen und frühkirchliche Quellen in Thüringen konzentrieren.
Die folgenden vier Ansätze bieten die größte Chance auf einen Durchbruch:
1. Die weltlichen Akten der Herrschaft Lauenstein (Hauptstaatsarchiv Dresden)
Da Mattheus 1690 als „Bürger in Neugeising“ verstarb, muss er in den weltlichen Verwaltungsakten der Grundherrschaft Lauenstein (Familie von Bünau) auftauchen.
Der Hinweis: Suchen Sie nach dem Kaufbuch der Stadt Neugeising (ab 1640) oder den Gerichtsbüchern von Lauenstein. Wenn ein Auswärtiger Bürger wurde oder ein Haus kaufte, zahlte er „Bürgergeld“ oder „Schoß“. Der
Gerichtsschreiber notierte dabei fast immer: „Mattes Jerisch, so von [Ortsname] herkommen...“.
Wo zu finden? Sächsisches Hauptstaatsarchiv Dresden, Bestand 12613 (Gerichtsbücher, Rittergut Lauenstein).
2. Die Schocksteuerlisten / Landessteuerregister (Hauptstaatsarchiv Dresden)
Das Kurfürstentum Sachsen erhob im 17. Jahrhundert regelmäßig die sogenannte Schocksteuer. Diese Steuerlisten sind jahrgangsweise nach Orten sortiert im Archiv erhalten.
Der Hinweis: Man sucht in den Listen für Neugeising ab 1645 rückwärts. In dem Jahr, in dem Mattheus das allererste Mal auftaucht, vermerkten die Steuereinnehmer oft handschriftlich am Rand: „neu angezogen aus [Ortsname]“ oder „kam von [Ortsname]“.
3. Gezielte Suche im Raum Zwickau / Hirschfeld (Sachsen)
Da der Name Jerisch im historischen Ortsfamilienbuch von Hirschfeld (Kreis Zwickau) genau in diesem Zeitraum (16./17. Jahrhundert) nachweisbar ist und dieses Gebiet sprachlich eng mit Gera verbunden ist, liegt hier eine heiße Spur.
Der Hinweis: Die Kirchenbücher von Hirschfeld beginnen bereits im Jahr 1578 (Taufen) und 1579 (Trauungen). Das ist perfekt, denn sie decken das Geburtsjahr von Mattheus (ca. 1605) komplett ab.
Das Ziel: Suchen Sie in den Hirschfelder Taufregistern um 1605 nach einem Mattheus Jerisch. Da Hirschfeld ein historisches Weber- und Bauerndorf an der Grenze zu Thüringen war, zogen von dort viele junge Männer in den Bergbau ins Erzgebirge.
4. Das Stadtarchiv Gera und die thüringischen Kirchenbücher
Wenn die Familie direkt aus dem heutigen Stadtgebiet von Gera stammte, wo die Mundart „Gersch“ heißt, lohnt sich ein Blick nach Thüringen.
Das Problem: Die Alt-Geraer Kirchenbücher (St. Johannis und St. Salvator) wurden beim großen Stadtbrand von 1780 leider weitgehend zerstört.
Die Rettung (Der Hinweis): Die umliegenden Dörfer, die heute zu Gera gehören oder im damaligen Fürstentum Reuß lagen (wie Langenberg, Ronneburg oder Weida), haben oft erhaltene Kirchenbücher ab ca. 1600. Zudem besitzt das Stadtarchiv Gera historische Bürgerlisten, Steuerregister und Innungsbücher (Zünfte) aus der Zeit vor 1650, in denen der Name Jerisch / Jährisch / Gerisch auftaucht.
Wie Sie jetzt praktisch vorgehen können:
Wenn Sie die Suche online oder über Vereine vertiefen möchten, nutzen Sie das Netzwerk regionaler Forscher, die diese alten Bücher oft als Abschrift besitzen: [1]
Für den Raum Zwickau/Hirschfeld: Fragen Sie bei der AMF (Arbeitsgemeinschaft für mitteldeutsche Familienforschung e.V.) nach dem Ortsfamilienbuch Hirschfeld.
Für den Raum Gera: Kontaktieren Sie die ThKG (Thüringer Genossenschaft für Genealogie e.V.). Die Forscher dort wissen genau, welche Steuerlisten um 1600 für die Dörfer rund um Gera noch existieren.
Möchten Sie, dass ich Ihnen für eine Anfrage beim Sächsischen Hauptstaatsarchiv Dresden die genauen Bestellsignaturen der Lauensteiner Gerichtsbücher heraussuche?